Das Projekt "Verwertung Geist"

Aus Verwertung Geist
Wechseln zu: Navigation, Suche

„Verwertung Geist“ (VG) ist ein vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) in zwei Phasen (VG I und VG II) gefördertes Verbundvorhaben mit dem Ziel, ein Konzept zur systematischen Verwertung von Ergebnissen geistes- und sozialwissenschaftlicher Forschung zu erstellen, um Kompetenzen entsprechender Institute zu entwickeln, zu fördern und umzusetzen. Die Aufgabe des Projekts „Verwertung Geist“ liegt daher allgemein darin, das Potenzial der Geistes- und Sozialwissenschaften für Wirtschaft und Gesellschaft zu analysieren und den WTT auch in diesen Forschungsbereichen, weiter voran zu treiben.


BMBF.jpg

Ziel des Vorhabens

Wissenschaftliche Ergebnisse sind Teil des öffentlichen Gutes und sollten daher auch der Gesellschaft zur Verfügung stehen. Ein Instrument, Ergebnisse und Kompetenzen aus der Forschung zur Anwendung zu bringen, ist der Wissens- und Technologietransfer (WTT). In den Ingenieur- und Naturwissenschaften wird dieses Instrument seit langer Zeit intensiv genutzt. Für geistes- und sozialwissenschaftliche Forschung lässt sich allerdings ein großes Defizit bei der Anwendung des WTT und damit bei der Nutzung des Innovationspotenzials der Forschungsergebnisse dieser Disziplinen feststellen. Das Projekt „Verwertung Geist“ hat sich daher zur Aufgabe gemacht, das Potenzial der Geistes- und Sozialwissenschaften für Gesellschaft und Wirtschaft zu analysieren und den WTT auch in diesen Forschungsbereichen voran zu treiben. Als Ausgangspunkt wir hierbei die Sichtweise außeruniversitärer Forschungsinstitute in den Fokus genommen. Dazu war zunächst eine umfassende Analyse der heutigen Verwertungssituation der geistes- und sozialwissenschaftlichen Forschungsergebnisse und Kompetenzen erforderlich, um die Anforderungen an einen systematischen WTT für die Geistes- und Sozialwissenschaften zu ermitteln und darauf aufbauend ein Konzept zur gezielten Verwertung von Ergebnissen geistes- und sozialwissenschaftlicher Forschung und von Kompetenzen entsprechender Institute zu entwickeln.

Verbundpartner

800px-Leibniz-Gemeinschaft-Logo2012.jpg


Verbundpartner sind das Institut für Deutsche Sprache (IDS), welches das Vorhaben unter der Leitung seines Direktors, Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Ludwig M. Eichinger, koordiniert, das GESIS– Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften sowie zunächst auch das Deutsche Schiffahrtsmuseum (DSM). Diese sind allesamt Einrichtungen der Sektionen A und B der Leibniz-Gemeinschaft und exemplarische Vertreter außeruniversitärer Forschungsinstitute der Geistes- und Sozialwissenschaften. Durch die Zusammenarbeit dieser Projektpartner konnte ein breites Spektrum der geistes- und sozialwissenschaftlichen Forschungsgebiete in das Projekt einbezogen werden. Unterstützt wird das Vorhaben durch die Firma Görgen & Köller als Unterauftragsnehmer.

Ids.png Gesis.png Newsimage.jpg Gorgen&keller.png

Der Projektgegenstand Verwertung

Warum spricht Verwertung Geist nicht nur von Wissenstransfer sondern von Verwertung und was ist darunter zu verstehen? Wissenstransfer wird im Rahmen des Projekts als Weitergabe von Wissen von einem Forschungsinstitut zu Empfängern unter Nutzung der Möglichkeiten von Transfermedien (Veröffentlichungen, Weiterbildung, …) und Wissenschaftskommunikation zum Zweck der Information und Bildung verstanden. Der Begriff Verwertung geht in der Definition von VG einen Schritt weiter. Wissen wird hier nicht einfach weitergegeben, sondern anwenderspezifisch weiterentwickelt. Forschungsergebnisse werden demnach so aufbereitet, dass sie für die Bedarfe bestimmter Abnehmersegmente gezielt angewendet und vertrieben werden können. Beispiele für Verwertung sind mannigfaltig und können u.a. in Gestalt von bedarfsorientierten Publikationen, Lizenzen (z.B. für Software), Daten, Datenbanken, Auftragsforschung, Beratungs- und Sachverständigentätigkeiten, Schulungen sowie Expertenvermittlung auftreten. Unter den Abnehmersegmenten ist gerade nicht die Scientific Community eines Instituts als Primärzielgruppe zu finden, sondern vielmehr angrenzende und übergreifende Wissenschaftsdisziplinen, kommerzielle oder nicht akademische Anwender –unterschiedlicher Arbeits- und Fachbereiche, aber auch Lehrende und politische Akteure mit sehr breit gestreuten Anwendungsinteressen. Weitere Abnehmersegmente sind in einer breiteren Öffentlichkeit zu suchen, die entweder direkt oder über Vermittlungsmedien adressiert werden.

Transfer vs. Verwertung

Die Arbeitsschritte

Quellen und Leistungen

Systematik zur Erfassung von Verwertung

Zur Identifikation verwertbaren Wissens im Sinne von VG sind Unterscheidungsmerkmale notwendig, anhand derer ein gezieltes Screening in Instituten erfolgen kann. Deshalb bestand eine wesentliche Grundlage für die Untersuchung in der Systematisierung und Beschreibung geistes- und sozialwissenschaftlicher Leistungen (z.B. Forschungsergebnisse, Theorien, Methoden, Verfahren), ihrer möglichen Verwertungsformen bzw. -instrumenten (z.B. Serviceleistungen, Aus-und Weiterbildung, Wissenschaftliche Kommunikation etc.) sowie Verwertungswegen (z.B. Gebühr, Lizenz). Die praktische Anwendung dieser Merkmale erfolgte exemplarisch für die relevanten Forschungsgebiete bei der Erfassung und Beschreibung der Leistungen der im Projekt kooperierenden Institute. mehr...

Auf Basis der systematischen Erfassungsversuche und ersten Auflistungen möglicher Verwertungen innerhalb der Partnerinstitute wurden folgende Kategorien entwickelt, um die Institutsleistungen nach ihrem Raffinierungsgrad einzuteilen.

  1. „materialisiertes Wissen“ ist eine Weiterentwicklung von Wissen in Form von Produkten (z.B. Software),
  2. „explizites Wissen“ bezeichnet die Nutzbarmachung von Wissen in dokumentierter Form (z.B. Datenbanken und Handbücher),
  3. „implizites Wissen“ beinhaltet das an die Person der Wissenschaftlerin oder des Wissenschaftlers gebundene Knowhow und findet seine Anwendung vor allem in Beratungen und Expertisen. mehr...


Verwertungserfolg

Sinn und Zweck von Verwertung lässt sich nur erkennen und rechtfertigen, wenn daraus ein spürbarer Mehrwert für alle Beteiligten erzeugt werden kann. Konnte eine Leistung mittels Verwertungsinstrumenten also in eine Anwendung gebracht werden, sprechen wir von „Verwertungserfolg“, der sich einerseits beim Anwender selbst, aber auch bei der Quelle „Wissen“ einstellen kann. VG untersucht und strebt verschiedene Formen des Erfolges an, der sich in monetärem also materiellem, aber auch in nicht-monetärem also ideellem Zuwachs (z.B. Bekanntheit, Eröffnung neuer Forschungshorizonte) niederschlagen kann.


Verwertungserfolg



Status Quo der Wissensverwertung

Relevante Akteure

Um im nächsten Schritt den Status Quo der Wissensverwertung zu ermitteln wurde eine qualitative Erhebung in relevanten geistes- und sozialwissenschaftlichen Einrichtungen, Forschungsmuseen und anderen Institutionen zum Verwertungsvorgehen durchgeführt, die anhand spezifischer Kriterien ausgewählt wurden. Im Verlauf der Auswertung werden die Befragten vor dem Hintergrund der Relevanzkriterien als Untersuchungsgruppe Geisteswissenschaften, Untersuchungsgruppe Sozialwissenschaften und Untersuchungsgruppe Forschungsmuseen bezeichnet.


Relevanzkriterien


Konzept Befragung

Es wurden insgesamt 18 leitfadengestützte Experteninterviews in 17 Instituten geführt (Interviews/Institute IDS 6/6, DSM 3/3, GESIS 9/8). Die abgefragten Themenbereiche umfassten Fragen zum Aufbau der Organisation, Prozessen, Vergütungsmodellen, Kultur, Methoden, Ressourcen, Motivation und Leistungen, die als Verwertung verstanden werden können sowie zu deren Verwertungswegen


Themenbereiche Befragung



Ergebnisse

Die Aussagen in den Interviews zu den oben genannten Themen wurden zusammengefasst, kategorisiert und ausgewertet. Im Folgenden werden die Ergebnisse für die Untersuchungsgruppen der Geistes- und Sozialwissenschaften dargestellt.

Leistungen

Die Kategorie Leistungen (Grafik) beschreibt Forschungsergebnisse, also Wissen mit Anwendungsbezug, wie z.B. Service-Publikationen, Forschungsinfrastruktur oder Forschungsdaten. Die wesentlichen Verwertungsleistungen der geisteswissenschaftlichen Untersuchungsgruppe bestehen in der Weitergabe expliziten Wissens wie Service-Publikationen und Expertisen (Gutachten, Beratung etc.). Auch anwenderspezifische Workshops (allg. Öffentlichkeit, Fachpublikum, Politik) sind ein gängiges Medium der Verwertung. Diese Leistungen sind auch in der sozialwissenschaftlichen Untersuchungsgruppe vertreten. Daneben finden sich hier Leistungen materialisierten Wissens aus dem Bereich Daten (z.B. Produktion und Archivierung von Forschungsdaten) und Forschungsinfrastruktur (z.B. Recherche und Downloaddienste), Veranstaltungen z.B., E-Learning, Prognosen und Berichte, Metadaten, Software sowie Ausstellungen.

(Verwertungs-)Prozess

Der (Verwertungs-)Prozess (Grafik) beschreibt, wie die Leistung eines Instituts von der Idee zur endgültigen Verwertungsform gelangt ist. Im Wesentlichen betrachtet man hier den Grad der Institutionalisierung dieses Prozesses, das Vorhandensein von für die Verwertung wichtigen Kriterien und deren Prüfung, die Quellen für Impulse zur Verwertung (interne Ideenentwicklung versus externe Anfragen) und wie finanziert und umgesetzt wird.

Kriterien

Unter Kriterien (Grafik) fasst VG die grundlegenden Merkmale zusammen, die eine Leistung aufweisen muss, um umgesetzt zu werden. Solche Kriterien sind u.a. Fragen nach der inhaltlichen Vertretbarkeit, konkreten Umsetzungsmöglichkeiten (Ressourcen, z.B. Knowhow) und der Finanzierbarkeit einer Verwertungsidee.

Hemmnisse

Die Kategorie Hemnisse (Grafik) beschreibt Rahmenbedingungen, die einer gezielten Verwertung bisher im Wege stehen. Dazu gehören neben den nicht erfüllten Kriterien inhaltlicher und finanzieller Art, hauptsächlich Hemmnisse, die sich unter dem Leitgedanken der „Priorität der wissenschaftlichen Reputation“ für den einzelnen Forscher zusammenfassen lassen. Es fehlen anreizbildende Reputationssysteme. Daneben wurden auch Sachverhalte wie die mutmaßliche Unverträglichkeit von Verwertung mit der Gemeinnützigkeit des Institutsauftrags und die Abträglichkeit von Kommerzialisierung für seriöse wissenschaftliche Arbeit als hemmende Faktoren angeführt.

Organisation

In Abgrenzung zum (Verwertungs-)Prozess, der das „wie“, also den Ablauf der Verwertung beschreibt, beschäftigt sich die Organisation (Grafik) mit der Frage, wer verwertet? Die Kategorie Organisation beleuchtet Zuständigkeiten verwertungsrelevanter Gremien und Strukturen in den befragten Instituten.

Ressourcen

Die Kategorie Ressourcen (Grafik) skizziert die Antwort auf die Frage, inwieweit in den Instituten spezielle Ressourcen oder besondere Mittel für Verwertungsaktivitäten auch in Form von Knowhow vorhanden und abrufbar sind. Die überwiegende Zahl der Institute verfügt abgesehen von einigen wenigen Ausnahmen über keine solchen Ressourcen für die Verwertung. Meist werden Verwertungsaktivitäten über den normalen Institutshaushalt abgewickelt.

Monetäre Rückflüsse

Nicht unwichtig ist die Frage nach Vorhandensein und Art von aus Verwertungsleistungen resultierenden monetären Rückflüssen (Grafik). Die Verwertungsleistungen einiger Institute sind schlichtweg einige ihrer Grundleistungen, also Teil ihres Auftrags, und deshalb durch die öffentliche Hand finanziert. Desweiteren wurden Drittmittel, Gebühren, Sponsoring und Lizenzen genannt.

Kultur und Motivation

Die Kategorie Kultur und Motivation (Grafik) beschreibt das Vorhandensein einer Verwertungskultur in den Instituten und ihre Gestaltung. Dabei verdeutlicht sie, woher in den Instituten die Motivation zur Verwertung ihrer Arbeit stammt. So kann Verwertung Teil der Forschungskultur einer Institution und ein Teil der Arbeitsaufgabe der Wissenschaftler sein. Sie kann sogar als eine Notwenigkeit zur Existenzsicherung gesehen werden. Motiviert ist Verwertung durch gezielte Anreize seitens der Institution selbst (nicht monetär) oder externe Anfragen, sei es durch die Öffentlichkeit oder Nutzergruppen, die aufgenommen und umgesetzt werden.

Resümee

Generell zeigte sich im Projektverlauf ein hohes Interesse an Verwertungsfragen bei den Interviewpartnern. Sinn und Nutzen des Konzepts von „Verwertung Geist“ wurde in den befragten Institutionen erkannt und großer Bedarf nach notwendigen Infrastrukturen zu seiner Umsetzung angemeldet. Neben dem Bestreben, weite Nutzerkreise von den Erkenntnissen der eigenen Forschung profitieren zu lassen, wird auch die monetäre Verwertung nicht grundsätzlich ausgeschlossen. In den Sozialwissenschaften werden Forschungsergebnisse bereits in beträchtlichem Maße verwertet. Allerdings wird dies selten als Verwertung, sondern als Service für die Scientific Community und Institutsauftrag gesehen. Hier ist lässt sich noch ein deutlicheres Bewusstsein der eigenen Leistungen und Leistungsmöglichkeiten schaffen.

Konzeptentwicklung

Im Laufe des Projekts ist deutlich geworden, dass in außeruniversitären Forschungsinstituten der Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften durchaus Forschungsleistungen mit hohem Verwertungspotenzial nachzuweisen sind, es jedoch oftmals an Lösungen für eine konkrete praktische Umsetzung mangelt. Basierend auf der systematischen Erfassung des Verwertungspotenzials bei den Projektpartnern und den Expertengesprächen mit Vertretern befragter Institute hat VG ein Konzept mit ersten Empfehlungen zum Aufbau einer geeigneten Umgebung für Verwertungsaktivitäten entwickelt. Welche initialen Schritte sind also zu gehen, wenn Forschungsinstitute die Verwertung im eigenen Haus auf den Weg bringen wollen?

  • Anlaufstelle schaffen
Die grundlegende Maßnahme stellt sicher die Benennung einer Person oder Arbeitsstelle dar, die sich dieser Aufgabe schwerpunktmäßig widmet. mehr...
  • Verwertbares erkennen
Um verwertbare Forschung zu identifizieren, müssen sämtliche Forschungsaktivitäten eines Instituts systematisch erfasst und in Bezug auf ihr Verwertungspotenzial beschrieben werden. mehr...
  • Unterstützung holen
Nur wenige Forschungsinstitute werden in der Lage sein, einen derart komplexen Bewertungsvorgang umfassend selbst vornehmen können und die Unterstützung externer Experten benötigen. mehr...
  • Verwertung verstetigen
Verwertung muss relevanter Teil der Forschungskultur werden und darf die Freiheit Wissenschaft nicht einschränken, denn sie lebt davon. mehr...

Publikationen

Verwertung Geist - Analyse und Konzepterstellung zur systematischen Verwertung geistes- und sozialwissenschaftlicher Forschungsergebnisse (.pdf)

DSM - Konzeption des Projekts Verwertung Geist

Evaluationsworkshop (.pdf)

Projektvorstellung (.pdf)

Verwertung Geist - Stand und Chancen (.pdf)

Weblinks